Hi, ich bin Nala. Labrador-Hündin, ungefähr in der Mitte meines Lebens, wohne mit Lutz im Mas Luna in Alforja. Wenn er morgens die Wanderschuhe an die Tür stellt, rieche ich es — Stein, Pinie, eine Spur Salz von der letzten Tour — und dann ist klar, was Sache ist.

Ich nehme dich heute mit auf meine fünf Lieblingsrouten in den Montanyes de Prades, dem Gebirge hinter unserem Haus. Es sind unterschiedliche Wege für unterschiedliche Tage: einer für die Hitze, einer für die kühlen Morgen, einer für die Tage, an denen ich mal richtig laufen will, und zwei für alles dazwischen.

Lutz schreibt sonst die langen Texte auf masluna.es. Heute bin ich mal dran, weil ich diese Wege ehrlich gesagt besser kenne als er — er guckt auf die Karte, ich folge dem, was die Nase sagt.

Bevor wir losgehen

Drei Sachen, die du im Voraus wissen solltest, wenn du mit deinem eigenen Hund kommst.

Wasser. Die Quellen in den Wanderführern sind nicht jedes Jahr da. Im Spätsommer fast nie. Lutz nimmt eine Flasche extra für mich mit, plus eine Reise-Trinkschale. Ein halber Liter pro Stunde geht auf mich, plus Reserve.

Schafe und Mastíns. Die Mastín-Hütehunde, die hier oben mit den Schafherden leben, sind keine Theorie aus dem Reiseführer — die gibt es wirklich. Ich habe sie ein paar Mal getroffen. Sie sind Profis, sie verteidigen ihre Herde, nicht weil sie aggressiv wären, sondern weil das ihr Job ist. Wenn wir sie sehen, geht Lutz mich an die Leine, wir gehen am Rand vorbei, nicht zwischen Schafe und Mastín. Das funktioniert. Ich finde es immer noch besser, höflich zu sein als Held zu spielen.

Heißer Boden. Im Sommer kann der Stein in der Sonne so heiß werden, dass meine Pfoten leiden. Lutz’ Faustregel: Wenn er seine Handfläche fünf Sekunden auf den Boden legen kann, ist es für mich okay. Wenn nicht, gehen wir früh oder gar nicht.

So, jetzt zu den Wegen.

Route 1 — Siurana: das Felsendorf, das Klassiker-Foto

Distanz: ca. 5,5 km Rundweg · Höhenmeter: 200 Hm · Dauer: 2 bis 2,5 Stunden · Schwierigkeit: leicht bis moderat

Siurana ist das Dorf, das jeder fotografiert, der in die Region kommt. Zwanzig Häuser auf einer Felskante, daneben eine alte Festung, deren Geschichte Lutz besser erzählen kann als ich. Mich interessiert: der Wind oben am Mirador, der Geruch von Käse aus der Bar am Plaza, und der Pfad, der unten an der Capella vorbei und dann durch lichten Steineichenwald zurück ins Dorf führt.

Der Boden ist überwiegend fest, viel Stein, etwas Erde. Im Sommer liegt der Aufstieg zurück ins Dorf in der Sonne — also entweder früh starten oder sich im Dorf länger aufhalten und im Schatten warten, bis das Licht tiefer steht.

Was ich an Siurana mag: die Aussicht auf den Embassament. Der Stausee leuchtet in einem Türkis, das ich bei keiner anderen Pfütze in der Region sehe. Lutz sagt das hat mit Schiefer zu tun. Ich glaube ihm.

Route 2 — La Mussara: das verlassene Dorf auf der Hochebene

Distanz: ca. 9 km Rundweg · Höhenmeter: 200 Hm · Dauer: 3 Stunden · Schwierigkeit: leicht

La Mussara ist seit 1959 leer. Was übrig ist — ein Glockenturm, ein paar Mauerreste — steht auf einer Hochebene bei knapp 1.000 Metern. Die Menschen erzählen sich Geschichten von Wanderern, die im Nebel verschwinden. Ich denke, das ist viel Nebel und wenig Übersinnliches, aber gut, es hält die Leute wach.

Für mich ist La Mussara die Sommerroute. Während es unten in Alforja über dreißig Grad sind, weht hier oben ein Wind, der den Hochsommer erträglich macht. Der Rundweg vom Refugi La Mussara führt über offenes Plateau, an Karstfelsen vorbei. Bei klarer Luft sieht man bis zum Mittelmeer.

Wenig Schatten oben, also Wasser nicht vergessen, und der Boden ist felsig — nicht ideal für sehr empfindliche Pfoten in der Mittagshitze. Ich gehe hier am liebsten am späten Vormittag, wenn der Boden noch nicht aufgeheizt ist.

Route 3 — Mont-ral und der Salt del Cigne

Distanz: ca. 10 km Rundweg · Höhenmeter: 400 Hm · Dauer: 4 Stunden · Schwierigkeit: moderat

Vom Bergdorf Mont-ral aus läuft sich der schönste Bach-Tag der Region. Pfad geht durch dichten Wald hinunter zu kleinen Pools, dann hoch zum Salt del Cigne, einem Wasserfall, der nach Regen am eindrucksvollsten ist. Im Hochsommer rinnt er manchmal nur — Frühjahr und Herbst sind besser.

Diese Route ist für mich aus zwei Gründen ideal. Erstens: viel Schatten, dichter Wald hält die Hitze draußen. Zweitens: Bachquerungen. Ich gehe gerne durchs Wasser. Lutz ruft jedes Mal, ich solle nicht den ganzen Weg durch den Bach laufen, ich solle den Trockensteinen folgen. Ich höre ihn. Ich nehme den Bach.

Das Dorf Mont-ral selbst — Steinhäuser, eine Bar gegenüber der Kirche — ist ein guter Anfang und ein guter Endpunkt. Wir parken da, und ich wittere am Ende immer kurz nach den Hunden, die unter den Tischen liegen.

Route 4 — La Mola de Colldejou: kurz, steil, das Dach

Distanz: ca. 7 km Rundweg · Höhenmeter: 600 Hm · Dauer: 4 Stunden · Schwierigkeit: schwierig

Ehrlich? Diese Route ist die fordernste der fünf. Tafelberg mit fast senkrechten Flanken. Vom Dorf Colldejou geht es steil und ohne viele Pausen nach oben, der Boden ist Geröll, an einer Stelle kurz vor dem Plateau wird es etwas ausgesetzt. Lutz schwitzt da regelmäßig.

Ich übrigens auch, ich habe nur kein Hemd zum Wechseln.

Belohnung oben: ein 360-Grad-Panorama. An klaren Tagen sehe ich vom Plateau das Mittelmeer im Süden und die Vorgipfel der Pyrenäen im Norden — beziehungsweise, Lutz sagt, er sieht das. Ich sehe oben hauptsächlich Gras und freue mich, mich auszustrecken.

Wichtig: nicht für sehr heiße Tage, kaum Schatten, der Anstieg ist hart. Auch nicht für ältere Hunde mit empfindlichen Pfoten — das Geröll ist scharfkantig. Wer fit ist und früh startet, hat einen der schönsten Vormittage der Region.

Route 5 — Capafonts: der Wasserfall-Spaziergang

Distanz: ca. 5 km Rundweg · Höhenmeter: 150 Hm · Dauer: 2 Stunden · Schwierigkeit: leicht

Das hier ist meine Lieblingsroute. Ich sage das nicht aus Höflichkeit, ich sage das, weil ich an Sommertagen aus dem Auto fast vor Lutz aussteige.

Vom Dorf Capafonts führt ein kurzer, fast durchgängig schattiger Pfad am Fluss Brugent entlang durch ein enges Tal. Mehrere kleine Pools auf dem Weg, am Ende ein Wasserfall, in den man steigen kann. Familientauglich, kein nennenswerter Höhenunterschied, keine technischen Stellen.

Der Boden ist kühl — feuchte Erde, Moos auf den Steinen, Wasser in Reichweite. Im Sommer kommen Einheimische zum Baden, also ist es vormittags ruhiger. Ich tauche meine Pfoten in jeden Pool und prüfe, ob das Wasser zum Trinken etwas taugt. (Manche ja, manche nein.)

Was mit mir funktioniert — und was du wissen solltest

Leine. Ich gehe lieber ohne, aber wo Schafsherden möglich sind — auf dem offenen Plateau im Sommer also fast überall — gehe ich an die Leine. Eine Leine sagt dem Mastín “kein Konflikt nötig”. Mein Lutz und ich haben gelernt, dass das einfacher ist als das Vertrauen am ersten Versuch zu klären.

Wasser an Bord. Pro Hund einen halben Liter pro Stunde, plus Reise-Trinkschale. Ich trinke aus Bächen wenn das Wasser klar ist, aber auf dem Plateau gibt’s eben keine Bäche.

Pfoten. Wenn der Boden im Sommer in der Sonne zu heiß ist, bleibt man unten oder geht früh. Pfotenballen heilen langsam.

Mas Luna als Ausgangspunkt

Alforja liegt direkt am Fuß des Prades-Gebirges. Capafonts und Mont-ral sind 25 Minuten weg, Siurana 35, La Mussara und La Mola de Colldejou 30 bis 45. Lutz stellt die Schuhe abends an die Tür, ich rieche sie kurz, dann schlafe ich an meinem Platz, und am nächsten Morgen sind wir im ersten Wald, bevor andere Gäste am Frühstückstisch sitzen.

Wenn du eine Route fragen willst, die hier nicht steht — ich kenne mehr. Lutz auch. Schreib uns.

— Nala